Die Untersuchung
Die Untersuchung
Bei Verdacht auf Durchblutungsstörungen des Herzmuskels lässt sich die Aussagekraft eines Belastungs-EKG steigern, indem dem Patienten eine schwach radioaktive Substanz verabreicht wird. Dieser sogenannte Radiotracer reichert sich ausschließlich im gesunden, gut durchbluteten Myocardgewebe an. Schlecht durchblutete Regionen dagegen nehmen diese Strahlung weniger bis gar nicht auf und erscheinen später in der Abbildung (Szintigramm) als „kalter“ Bereich.
Die Untersuchung gliedert sich in zwei Einheiten. Jeder Untersuchungsteil dauert etwa 2,5 Stunden, so dass Sie insgesamt 5 Stunden einplanen sollten.
UNTERSUCHUNGSEINHEIT 1: Belastungs-EKG mit Radiotracer
Zu Beginn werden Ihre Herzfunktionen im Belastungszustand geprüft. Dafür wird Ihnen ein kleiner Zugang (Braunüle) in eine Armvene gelegt und anschließend ein Belastungs-EKG durchgeführt, bis die maximale Herzbelastung erreicht ist. Über die Braunüle wird Ihnen anschließend eine geringe Menge des Radiotracers verabreicht, der vom Herzmuskel aufgenommen wird. Wenn Sie körperlich nicht so stark belastbar sind, spritzen wir Ihnen ein durchblutungsförderndes Herzmedikament und verzichten auf das Belastungs-EKG. Nach einer kleinen, fetthaltigen Zwischenmahlzeit werden mit einer Spezialkamera, der so genannten Gamma-Kamera, erste Aufnahmen der Herzmuskulatur gemacht. Dabei rotiert die Kamera um den Oberkörper des Patienten und macht aus den verschiedensten Positionen Bilder vom Herzen. Die Aufnahmen dauern jeweils etwa 20 Minuten. Sollten bis zu diesem Zeitpunkt keine medizinischen Auffälligkeiten auftreten, ist die Untersuchung beendet.
UNTERSUCHUNGSEINHEIT 2: Der Herzmuskel im Ruhezustand
Sind im Belastungs-EKG dagegen medizinische Auffälligkeiten festzustellen, wird das Herz auch noch einmal im Ruhezustand genauer untersucht. Dafür injizieren wir Ihnen erneut eine schwach radioaktive Substanz. Sie müssen dann eine Kleinigkeit essen. Etwa eine Stunde nach der Injektion machen wir noch einmal Bilder von Ihrer Herzmuskulatur. Auf Wunsch können wir die Untersuchung auch verteilt an zwei Tagen durchführen, um die Strahlenbelastung zu verringern.
Die Myocardszintigraphie - mit oder ohne Belastungs-EKG - dient dazu, eine koronare Herzerkrankung sicher auszuschließen. Auf der Basis des Szintigramms kann der Nuklearmediziner Durchblutungsstörungen am Herzen zuverlässig diagnostizieren. Gemeinsam mit dem Kardiologen kann dann entschieden werden, ob weitergehende Untersuchungen oder Behandlungen, wie z.B. ein Herzkatheter, notwendig sind.
Hinweise zur Radioaktivität
Die Strahlenbelastung bei der Szintigraphie variiert zwischen 2 und 9 Millisievert (mSv). Zum Vergleich: Die natürliche Strahlenbelastung liegt in Deutschland je nach Wohnort bei 1 bis 6 mSv pro Jahr. Die konkrete Strahlenbelastung bei der Szintigraphie hängt von der erforderlichen Menge der radioaktiven Substanz ab, die gespritzt wird - und diese ist abhängig von Größe, Gewicht und der medizinischen Fragestellung. In der Regel wird dem Patienten ein Technetium-Präparat gespritzt. Ein Einzelfällen, zum Beispiel für eine Vitalitätsdiagnostik des Herzens, wird alternativ Thallium verwendet. Dabei kann eine höhere Strahlenexposition auftreten. Die injizierte radioaktive Lösung hat keine wesentliche pharmakologische Wirkung im Körper, sie wird nach 48 Stunden weitgehend über Leber, Darm sowie Nieren und Harnwege ausgeschieden. In seltenen Fällen kann es zur Wahrnehmung eines metallischen Geschmacks auf der Zunge kommen, der aber schnell wieder vergeht.
Da Sie nach der Szintigraphie für einige Stunden radioaktive Strahlung abgeben, meiden Sie bitte den Kontakt zu Kindern und schwangeren Frauen bzw. bringen Sie diese nicht mit in die Praxis. 24 Stunden nach der Behandlung geht keine relevante Strahlung mehr von Ihrem Körper aus.